Blogbeitrag vom 28. April 2026

STÜRZE KÖNNEN JEDE:N TREFFEN – ABER DOCH NICHT MIT!

 

Stürze passieren immer den anderen – bis es plötzlich einen selbst trifft. Gerade im Alltag fühlen wir uns sicher, vertraut mit unserer Umgebung und überzeugt, alles im Griff zu haben. Doch aktuelle Zahlen zeigen eindrücklich, wie trügerisch dieses Gefühl sein kann und wie groß das Sturzrisiko insbesondere im höheren Alter tatsächlich ist. Ein genauer Blick auf Ursachen, Risiken und Prävention lohnt sich daher mehr denn je. 

 

Zahlen, daten, fakten

Unfallbilanz 2025: 824.400 Verletzte in Österreichs Spitälern – drei Milliarden Euro Behandlungskosten. So lautet die Überschrift einer Presseaussendung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit Österreich Ende Februar 2026. Dem Bericht zufolge entfällt der größte Teil der Verletzten auf den Haushalt (334.500 Verletzte). Den größten Anteil der Verletzten machen Senioren 65+ aus, nämlich 266.100 Personen, die aufgrund eines Sturzes im Krankenhaus behandelt werden müssen. Hält man sich vor Augen, dass die Anzahl jener Personen, die stürzen, noch höher ist – man geht davon aus, dass jede dritte Person über 65 Jahren einmal pro Jahr stürzt – dann wird die Dramatik des Sturzrisikos richtig deutlich.

wer stürzt?  

Frage ich Senior:innen in meinem privaten Umfeld ob sie gestürzt sind, dann lautet die Antwort zumeist: „Nein, ich glücklicherweise nicht.“ Niemand verletzt sich gern und Stürze bergen ein großes Risiko. Bei der Arbeit als Physiotherapeutin hingegen begegnen mir täglich Menschen, die bereits mindestens einmal gestürzt sind, oder in der Gefahr sind zu stürzen. Gemeinsam mit meinen Kolleg:innen führe ich ein sogenanntes Sturzscreening durch, um die jeweiligen Risikofaktoren zu analysieren und eine möglichst zielgerichtete Therapie zu planen.

bin ich sturzgefährdet?

Bei der systematischen Herangehensweise an diese Frage unterscheiden wir zwischen den äußeren und den personenbezogenen Faktoren, die einen Sturz verursachen können. Zu den äußeren Faktoren zählt beispielsweise das eigene Wohnumfeld: Teppichkanten, Stufen, Schwellen, rutschige Untergründe insbesondere im Bad, ungeeignete Tritthilfen, etc.
Gehen Sie die eigenen Wohnräume kritisch durch und analysieren Sie deren Potential einen Sturz auszulösen: Birgt meine Wohnung Sturzpotential? Sicheres Vorarlberg hat eine sehr wertvolle Checkliste für die eigenen Wohnräume zusammengestellt, die ich Ihnen an dieser Stelle gerne ans Herz legen möchte. Gegliedert nach Wohnbereichen fordert sie zu einer kritischen Auseinandersetzung mit den eigenen vier Wänden auf und lädt dazu ein, positive Veränderungen selbst in die Hand zu nehmen.

Zu den personenbezogenen Faktoren zählen jene Aspekte, die den eigenen Körper betreffen: Kreislaufbeeinträchtigungen, Gleichgewichtsstörungen oder auch das Alter. Fragen Sie sich: Welche personenbezogenen Faktoren bringe ich mit? Im Alter geschehen eine Reihe von Abbauprozessen, die etwas früher oder später jede Person betreffen. Auch psychische Faktoren wie Einsamkeit oder eine Depression erhöhen das Sturzrisiko signifikant. Entscheidend ist dabei die Frage, inwieweit eine aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben möglich ist und auch tatsächlich gelebt wird. Stellen Sie sich also der Frage: Nehme ich aktiv am gesellschaftlichen Leben teil?

Oft zeigt sich ein sozialer Rückzug aufgrund von Faktoren wie einer verminderten Gehstrecke, eines kognitiven Abbaus, Gangunsicherheiten, Sturzangst, Schwindel und Gleichgewichtsstörungen. Diesen Rückzug gilt es möglichst zu vermeiden, da sich die genannten Symptome durch die fehlende Aktivität weiter verstärken.

In der Arbeit als Physiotherapeutin fällt mir dabei auf, dass Menschen ihre körperliche Aktivität häufig überschätzen. Haushalt und Gartenarbeit können anstrengend sein, stellen allerdings keine Trainingsroutine dar. Bewegung um der Bewegung willen – so lautet das Motto. Wenn Sie dabei noch einer Sportart nachgehen, die mit Freude und in Gesellschaft ausgeübt wird, haben Sie auf ganzer Linie gewonnen!

wie steht es mit körperlicher aktivität?

Erfülle ich die Bewegungsempfehlungen für Erwachsene meiner Altersgruppe? Die Bewegungsempfehlungen (hier für die Altersgruppe 65+) wären 2 ½ – 5h ausdauerorientierte Bewegung mittlerer Anstrengung (nebenbei plaudern ist möglich) oder 1 ¼ – 2 ½ h ausdauerorientierte Bewegung mit höherer Anstrengung (nebenbei plaudern ist nicht mehr möglich) pro Woche. Dazu kommen zweimal wöchentliches Krafttraining (das ist keine Verhandlungssache, sondern ein Muss) sowie ein Training des Gleichgewichts und der Beweglichkeit.

MEIN FAZIT

Es ist lohnend, sich mit diesen Fragen reflektiert auseinanderzusetzen und frühzeitig eine Trainingsroutine zu etablieren. Warten Sie nicht, bis Sie stürzen, sondern setzen Sie jene Maßnahmen, die das Sturzrisiko senken, konsequent um.

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