Aus Spaß wird am Berg schnell Ernst. | Sicheres Vorarlberg
Blogbeitrag vom 2. Februar 2022

Aus Spaß wird am Berg schnell Ernst.

Luca Beran steht auf den Skiern, seit er denken kann. Wie schnell aus einem Irrtum Lebensgefahr werden kann, hat er selbst am Hochjoch erlebt.

Ich war anfangs meist mit denselben zwei Kollegen unterwegs. Wir sind schon zusammen Skirennen gefahren, haben mit 15 die Skilehrerausbildung gemacht und mit 16 mit dem Freeriden angefangen. Vor einigen Jahren waren wir zu dritt am Hochjoch. Es hatte drei Tage lang geschneit, der Berg lag im Nebel und wir haben wie immer mit dem Briefing, Lawinenbericht und LVS-Check gestartet. Wie das im Skigebiet so ist, trifft man zwischendurch Leute, die sich einem anschließen. Irgendwann waren wir nicht mehr zu dritt, sondern zu siebt im Gelände.

Und da ist es passiert: Unter uns löste sich ein Schneebrett und uns dreien war von der einen auf die nächste Sekunde klar, dass das, was wir grad machen, nicht besonders schlau ist. Was mir heute noch nachhängt ist, wie unfassbar schnell die Gruppendynamik den Sicherheitsplan vom Morgen abgelöst hat. Die LVS-Geräte der Teammitglieder werden natürlich immer gecheckt, aber manchmal passiert es, dass man während des Tages nicht mehr daran denkt, so auch an diesem Tag. Wir haben erst im Nachhinein erfahren, dass einer der anderen nicht einmal ein LVS-Gerät dabei hatte.

Unfassbar, wie schnell die Gruppendynamik den Sicherheitsplan ablöst.

Die Gruppendynamik gibt einem ein trügerisches Gefühl von Sicherheit. Dabei ist etwas vom Wichtigsten, einen Gruppenleiter festzulegen und das ist in der Regel der am besten Ausgebildetste. Wir sind am Hochjoch mit dem Schrecken davongekommen, aber der Tag hat mich gelehrt, wie schnell die Gruppendynamik und das Abschieben der Verantwortung das rationale Denken ablösen kann. Jeder Unfall, der passiert, ist einer zu viel.

Wenn wir neue Sprünge probieren, dann nur in einer absolut sicheren Umgebung. Es gibt auch no-fall-zones, in denen ein Fehler unverzeihlich ist und man auch mal 200 Meter die Felswand runtersegeln kann. Das Sicherheitsbewusstsein der Menschen hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert, trotzdem sieht man speziell Anfänger oft ohne richtige Ausrüstung. Ich rate jedem, der Freeriden ausprobieren will, beim ersten Mal einen Guide mitzunehmen. Und zwar einen, der weiß, was er tut. Heute gibt’s Freeriding Camps und so viele Möglichkeiten, die man unbedingt nutzen sollte. Denn am Berg wird aus Spaß schnell Ernst.

Die Geschichte wurde von Veronika Mennel verfasst.

WIR ALLE SIND UNFALLPRÄVENTION
25 Jahre Sicheres Vorarlberg

Wir feiern 2022 unser 25-jähriges Bestehen und nutzen das Jahr, um das Thema Unfallprävention mehr in´s Bewusstsein der Menschen zu rücken. Denn jeder kann und macht Unfallprävention auf vielfältige Weise. Wir als Organisation möchten  zusätzlich anregen und unterstützend mithelfen.

Daher stellen wir euch jeden Monat eine neue Persönlichkeit vor, die ihre Geschichte erzählt. Die Geschichten über Erlebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse zeigen, wie viel wir alle zu einem sicheren Vorarlberg beitragen können.

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