Blogbeitrag vom 4. August 2022

Vom Stürzen und Wiederaufstehen

 

Marit verbringt jede freie Minute auf ihrem Bike, sogar zu unserem Treffen kommt sie mit dem Rad. Weil sie so viel Zeit auf dem Sattel verbringt, weiß sie, welche Konsequenzen eine falsche Entscheidung haben kann. Bei Marit fiel so eine Entscheidung im Sommer 2021.

Ich liebe die Berge. Für sie bin ich aus den Niederlanden nach Vorarlberg gezogen. Im Winter ist das Skitouren meine Passion und im Sommer das Mountainbiken und Wandern. Besonders die Hochtouren. Im letzten August haben wir zu viert entschieden, dass wir uns an den Ortler-Meranerweg wagen. Und weil der Reschenpass auf dem Weg liegt, haben wir den auch noch für einen Abstecher mit dem Bike eingeplant. Heute weiß ich, dass das nicht der schlauste Einfall war. Wir hätten uns auf den Ortler, unser Ziel, konzentrieren und einen gemütlichen Bike-Tag genießen sollen.

Stattdessen haben wir die Herausforderung gesucht, bis wir plötzlich auf der schwarzen Strecke und vor einem hohen Absatz gelandet sind. Mein Bauchgefühl hat sofort Alarm geschlagen: „Du schleppst dein Bike da runter.“ Aber ich war im Flow und vom Adrenalin beflügelt – ich wollte mich einfach trauen. Wir haben die Stelle genau besichtigt, nur als ich drüberfuhr, ging die Landung schief. Ich flog rechts raus und hatte Schmerzen am ganzen Körper. Mein erster Gedanke war: Die Tour auf den Ortler hat sich erledigt. In dem Moment war ich genervt von mir selber. Hätte ich auf mein Bauchgefühl vertraut, wäre ich nicht über diese Stelle gefahren, weil es sich einfach nicht richtig angefühlt hat.

Hätte ich meinem Bauchgefühl vertraut, wäre ich nicht gesprungen.

Nach dem Sturz bin ich unter Schock und voll mit Adrenalin noch runtergefahren, habe eine Schmerztablette bekommen und mich ein wenig erholt. Ich hatte mir einen Bauchmuskelriss und eine schmerzende Schulter zugezogen. Heute weiß ich, dass ich damals von meinem eigenen Können nicht überzeugt genug war und mein Rad besser runtergeschleppt hätte. Beim Biken tastet man sich oft an Limits, um besser zu werden, trotzdem darf man sich keinen Fehler erlauben. Ich hätte in diesem Sommer an den Ortler denken, eine einfachere Strecke nehmen und vorsichtiger sein sollen. Obwohl ich anfangs dachte, alle Rippen gebrochen zu haben, waren die Verletzungen zum Glück nicht so schlimm.

Mit dem, was ich als Physiotherapeutin über meinen Körper weiß, wagte ich mich später dann doch auf den Ortler. Etappenweise, um gut auf meinen Körper hören zu können. Im Oktober – als alle Verletzungen verheilt waren – bin ich zurück zum Reschenpass, um die Saison mit einer positiven Erinnerung abzuschließen. Meine Unfallstelle habe ich ausgelassen und das werde ich auch in Zukunft tun.

Die Geschichte wurde von Veronika Mennel verfasst.

WIR ALLE SIND UNFALLPRÄVENTION
25 Jahre Sicheres Vorarlberg

Wir feiern 2022 unser 25-jähriges Bestehen und nutzen das Jahr, um das Thema Unfallprävention mehr in´s Bewusstsein der Menschen zu rücken. Denn jeder kann und macht Unfallprävention auf vielfältige Weise. Wir als Organisation möchten  zusätzlich anregen und unterstützend mithelfen.

Daher stellen wir euch jeden Monat eine neue Persönlichkeit vor, die ihre Geschichte erzählt. Die Geschichten über Erlebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse zeigen, wie viel wir alle zu einem sicheren Vorarlberg beitragen können.

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