Blogbeitrag vom 1. Juli 2022

Die Gefahren von Wasser, Eltern und Handys

 

Angelika ist seit fast 30 Jahren bei der Wasserrettung und hat schon vieles miterlebt. Eine Geschichte hat sie besonders geprägt und die hat ausgerechnet mit ihrem eigenen Sohn zu tun.

Wir sind schon immer viel ins Schwimmbad gegangen und meine Kinder konnten alle früh schwimmen. Als mein Sohn in der dritten, vierten Klasse war, sind wir ins Freibad und er hat dort einen Schulfreund getroffen. Die zwei haben gespielt und sind dann zum Baggerloch, um reinzuspringen. Nach ein paar Minuten kommt mein Sohn zurückgerannt und schreit: „Mama, Mama, der wär jetzt fast ertrunken.“ Sein Freund hat sich nicht getraut, ihm zu sagen, dass er gar nicht gut schwimmen kann und ist trotzdem mit ins Wasser gesprungen.

Der Junge hats zum Glück von alleine und unversehrt ans Ufer geschafft, aber für mich war es ein Schock, dass ein Kind in dem Alter nicht schwimmen kann. Heute weiß ich, dass das viel häufiger vorkommt, als man denkt. Ich gebe Kinderschwimmkurse im Hallenbad und habe gerade eine Gruppe mit 22 Schüler:innen kennengelernt, von denen nur vier richtig schwimmen können. Und das bei uns in Vorarlberg, sogar in Bregenz am Bodensee. Einmal war ein Kind dabei, das war schon acht Jahre alt und stand beim Schwimmkurs zum ersten Mal im Wasser.

Viele Eltern schauen aufs Handy statt auf ihre Kinder.

Für mich gehört es einfach dazu, dass Kinder schwimmen lernen – für ihre eigene Sicherheit. In Zeiten von Handys finde ich das wichtiger denn je. Man sieht am Beckenrand immer mehr Eltern, die aufs Handy statt auf ihre Kinder schauen. Da kam es vor einigen Jahren zu einem tragischen Unglück, bei dem ein kleiner Junge im Nichtschwimmerbecken fast ertrunken wäre – beinah unbemerkt.

Schwimmen steht zwar auf dem Lehrplan, aber ich kann auch Lehrer:innen verstehen, die sich nicht mit 20 Nichtschwimmer-Kinder ins Schwimmbad trauen. Deswegen finde ich den Wasser-Sicherheits-Check so wichtig. Das ist eine Art Vorprogramm für den Schwimmunterricht, bei dem jedes Kind mit Wasser in Berührung kommt.

Der Wasser-Sicherheits-Check kurz erklärt:

Der Wasser-Sicherheits-Check findet zusammen mit teilnehmenden Volksschulen statt. In drei Einheiten á zwei Stunden werden im Schwimmbad vier Übungen trainiert und am Ende von den Kindern vorgezeigt.

  • Eine Rolle ins Wasser. Die simuliert das ungeplante Reinfallen, damit die Kinder im Ernstfall sicherer und intuitiv richtig reagieren.
  • Wie ein Seestern im Wasser schweben oder Wassertreten. Dabei übt man, sich 1 Minute über Wasser zu halten.
  • 50 Meter schwimmen ohne sich festzuhalten. Kinder schaffen meistens 10 bis 15 Meter, aber im Ernstfall sind es oft mehr.
  • Rausklettern ohne Leiter, denn die gibt es auch nicht überall.

Die Geschichte wurde von Veronika Mennel verfasst.

WIR ALLE SIND UNFALLPRÄVENTION
25 Jahre Sicheres Vorarlberg

Wir feiern 2022 unser 25-jähriges Bestehen und nutzen das Jahr, um das Thema Unfallprävention mehr in´s Bewusstsein der Menschen zu rücken. Denn jeder kann und macht Unfallprävention auf vielfältige Weise. Wir als Organisation möchten  zusätzlich anregen und unterstützend mithelfen.

Daher stellen wir euch jeden Monat eine neue Persönlichkeit vor, die ihre Geschichte erzählt. Die Geschichten über Erlebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse zeigen, wie viel wir alle zu einem sicheren Vorarlberg beitragen können.

Sicher im und am Wasser
Kleinkinder können in 20 Sekunden ertrinken - Pool sichern, Leben retten
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